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Die Welt ist verrückt geworden

Aktuelle Krisenphänomene, ökonomische politische Analyse der Krisen und Quellen spirituellen Widerstandes gegen die Verrücktheit der Welt bestimmten die Reflexionswoche des „College de Brousse“ vom 15. bis 19. September in La Roche, nahe Fribourg in der Schweiz. Die ca. 20 Teilnehmenden arbeiteten mit dem Ökonomen und Theologen Franz J. Hinkelammert, der aus Costa Rica angereist war.

Das Jahr 2008 hat eine besondere Bedeutung gewonnen: die Ölpreis-Krise und die Preiskrise bei Grundnahrungsmitteln weisen darauf hin, dass wir an die Grenzen des Wachstums gestoßen sind. Wir stehen an einem Scheideweg. Die auf dem unendlichen Fortschritt in der Zeit begründete moderne Gesellschaft hat nicht mehr nur Krisen zu bewältigen, sondern steckt insgesamt selbst in der Krise. Sie kann nicht aus der Krise herausfinden, wenn sie nicht das Nutzen- und Gewinnkalkül überwindet, nach dem sie sich bisher ausschließlich organisiert hat. Die Basis unseres Lebens ist nutzlos. Wenn man das gesamte Leben dem Nützlichkeitskriterium unterwirft, zerstört man es. Das wird durch die gegenwärtige Krise offenbar. Das Unverzichtbare ist nutzlos (Dadaisten). Und das Nutzlose ist unverzichtbar. Die Welt ist subjektiv. Indem wir sie zum Gegen-Stand machen (verobjektivieren), wie dies in den empirischen Wissenschaften und deren Nutzenkalkül (Gewinnkalkül) geschieht, machen wir aus dem Menschen (aus dem Subjekt) nur den subjektiven Faktor, der im Grunde stört. Dieses Verhältnis muß umgekehrt werden: Die Welt ist subjektiv. Diese objektive Wahrheit steht unter dem Zwang objektiver Faktoren. Alles kommt darauf an, dass das Subjekt leben kann.

Die Spiritualität der objektivierten Welt (des Marktes und des unendlichen Fortschritts in der Zeit) dagegen bestimmt sich von dem, was „im Prinzip möglich“, aber real unmöglich ist. Eine solche Spiritualität führt in die Irre, die wir gegenwärtig exemplarisch erleben. Dieser Verrücktheit muss man mit dem Spiel der Verrücktheiten begegnen, das der Apostel Paulus im Korintherbrief aufdeckt. „Hat Gott nicht die Weisheit dieser Welt als Verrücktheit entlarvt? Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle die glauben, durch die Verrücktheit der Verkündigung zu erretten. … Denn das Verrückte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen“ (vgl. 1 Kor 1, 20-25). In den gegenwärtigen Krisen der Welt erweist sich die Weisheit der Welt als verrückt. Ihr kann man nur mit der Verrücktheit Gottes entgegentreten, nämlich mit der Spiritualität des Lebens, die erkennt, dass das Unverzichtbare nutzlos und deshalb nach den Maßstäben dieser Welt verrückt ist. Das Subjekt ist die erste Instanz. Sobald es in dem von der Spiritualität des Lebens getragenen Bewusstsein handelt: Ich bin, wenn du bist!, wird es fähig, den Nutzenkalkül zu transzendieren.