Missionszentrale der Franziskaner - Liebe Missionsfreunde,

das Hilfswerk - für die würde der Menschen - weltweit
Seitensuche

Liebe Missionsfreunde,

der Ruf des Lebens führt mich zu Ihnen, und es ist für mich eine große Freude und eine besondere Ehre, heute meinen ersten Brief als neuer Präsident der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn an Sie schreiben zu dürfen. Wieder versetzt es mich in Staunen, welche neue Herausforderung Gott für mich auf meinem franziskanischen Weg, den ich seit 48 Jahren beschreite, bereit hält. So ist dies ein Neubeginn für mich, und der Geist der Welt, der die Missionszentrale leidenschaftlich umweht,  holt mich aus meiner Vertrautheit in Fulda, wo ich zuletzt als Guardian im Kloster Frauenberg meinen Aufgaben nachging. Mit Demut und Dankbarkeit begebe ich mich auf die Reise, die mich für die notleidenden Menschen und für viele Helferinnen und Helfer weltweit ein Sprachrohr sein läßt:

Die beiden Kinderschicksale von Paolo und Elrio in Südafrika führen mir so greifbar und erweckend die Gegensätze unseres Erdendaseins vor Augen, dass es mir unter die Haut geht.
Den Schrei nach Hilfe kann ich hören, das verzweifelte Weinen spüren, wenn Mädchen und Jungen ohne Eltern, allein auf sich gestellt, versunken im Elend versuchen, in ihrer Kinderfamilie irgendwie zu überleben. So schätze und bewundere ich die Arbeit von Schwester Irmingard und ihren Mitschwestern, wenn sie neben ihrer fürsorglichen Betreuung Aidskranker im Hospiz von Duduza zusätzlich Mut und Kraft aufbringen und sich um 700 Aidswaisen in drei umliegenden Dörfern kümmern, ihnen zu essen geben, ihnen eine Schulbildung ermöglichen, Beistand geben, Hände reichen, trösten und bestärken. Sie bitten uns um 10.000.-- Euro zur Unterstützung der Kinderhaushalte sowie für Lebensmittel und Möbel für drei Kindersuppenküchen.

Kinder sind unsere Zukunft und bringen Farbe und Natürlichkeit in unser Leben. Es ist unsere höchste Pflicht, sie in ihrer Wehrlosigkeit zu schützen. Suna ist ein kleines indisches Mädchen, das keine Freude mehr in sich hat. Körperlich und seelisch in einem Haushalt in der Stadt Bangalore ausgebeutet und mißbraucht, hat dieses achtjährige Mädchen Höllenqualen erlitten und endlich bei Schwester Nisha Zuflucht und Sicherheit gefunden. Die Franziskanerin kümmert sich gemeinsam mit vier Betreuerinnen geduldig und liebevoll um Suna und weitere 14 traumatisierte Kinder. „Mit Einfühlungsvermögen und Wärme das verschüttete Vertrauen der Kinder zu gewinnen ist die größte Herausforderung, vor die uns jedes einzelne Kinderschicksal stellt. Mit dem Vertrauen in Gottes Hilfe schaffen wir immer wieder den Zugang zu den verwundeten Seelen“, schreibt uns Schwester Nisha und bittet uns um unsere Hilfe von 10.000.-- Euro für Nahrungsmittel und Spielsachen für die Kinder.

Lese ich den Bittbrief von Schwester Zenaida aus der kolumbianischen Stadt Santa Rosa de Cabal, kann ich die bestürzende Sprachlosigkeit, die sich in einen dumpfen Laut formt, nachempfinden. Junge Mädchen armer Bauernfamilien werden von Drogenhändlern als sogenannte „Maultiere“ für den versteckten Transport von Drogen ins Ausland mißbraucht und gehen daran oft kümmerlich zugrunde. Mütter haben Angst um ihre jungen Töchter, dass diese im Drogenhandel ihren Körper als Gefäß zur Verfügung stellen müssen, zur Prostitution gezwungen oder zu bewaffneten Zielscheiben einer der Konfliktparteien gemacht werden. Armut macht hilflos. Hilflosigkeit ist jedoch ein Fremdwort für die Franziskanerinnen vor Ort. Sie bieten bereits für 27 dieser Mädchen in ihrem Internat ein sicheres Leben und einen Schulbesuch. Damit die Schwestern weiterhin die Schulgebühren und die notwendigen Schuluniformen für die Mädchen sowie Nahrungsmittel und Hygieneartikel bezahlen können, bitten sie uns um 8.500.-- Euro.  

So gut kann ich es mir vorstellen, das emsige Arbeiten beim Bau der Schule für die Kinder der Gemeinde Antanety auf Madagaskar. Beim Lesen des Briefes von Pater Raymond denke ich sogleich an die Worte Christi: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Den Geist Christi kann man förmlich spüren bei seiner Beschreibung, wie die Gemeinde in gemeinsamer Arbeit eine Schule baut und jeder nach seinen Möglichkeiten mithilft. Die Begeisterung überträgt sich von Madagaskar bis hierher nach Deutschland, und sehr gerne möchten wir den Familien mit 5.500.-- Euro zur Seite stehen, damit sie das Dach decken, Türen und Fenster einsetzen und die Klassenzimmer mit Tafeln, Bänken, Tischen und nicht zuletzt mit Kinderlachen füllen können.

Die Einigkeit dieser Menschen in Madagaskar, einem der ärmsten Länder unserer einen Welt, und die in meine Erinnerung gerufenen Worte Christi führen mir die weltweite Gemeinschaft der Missionszentrale der Franziskaner mit Ihnen als wichtigen Teil vor Augen, mit allen Schwestern und Mitbrüdern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Bonn sowie den notleidenden Kindern, Frauen und Männern, die Hilfe brauchen. Es ist eine Gemeinschaft der Nächstenliebe, und Christus ist mitten unter uns.

Zum Abschluß meines ersten Briefes an Sie möchte ich es auf keinen Fall versäumen, mich bei Pater Stephan zu bedanken: seine aufopferungsvolle Arbeit, seine bemerkenswerte Hingabe und seine tatkräftige Unterstützung für Menschen in Not werden uns in Erinnerung bleiben. Gleichzeitig  hoffe ich, dass Sie mir als neuem Briefpartner ebenso Ihr Vertrauen entgegenbringen werden wie ihm. 

Mit dem Gruß des hl. Franziskus „pax et bonum“ - „Frieden und alles Gute“ - verbleibe ich

Ihr

P. Claudius Groß, ofm 

Missionsbrief Juli 2010