Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen - Missionszentrale der Franziskaner

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Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen

Studienreise nach Indien

Wer Vielfalt erleben will, muss nach Indien. Dort begegnet man Vielfalt in jeder Hinsicht: Sprache, Kultur, Religion, Landschaft, Klima, sozialer Status, Farben, Geräusche, Gerüche…. Ein Rausch für die Sinne. Die ideale Umgebung, um ein Thema unter vielen Aspekten und von allen Seiten zu betrachten. Die Missionszentrale der Franziskaner bot in diesem Jahr zum 5. Mal die Gelegenheit im Rahmen einer Studien- und Begegnungsreise „dem einen Geist und der Vielfalt der Religionen“ auf die Spur zu kommen. 24 interessierte Menschen machten sich unter der erfahrenen und fürsorglichen Leitung von P. Francis Kaviyil OFM und Fred Schneider auf einen erlebnisreichen Weg - um Land und Leute kennen zu lernen, mit Gläubigen der unterschiedlichsten Religionen in Dialog zu kommen und zu erfahren, wie franziskanische Spiritualität in den Projekten und Einrichtungen der Franziskaner gelebt wird.

In diesem Jahr war der Fokus des interreligiösen Dialogs auf das Thema Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung gerichtet – ein Thema, das von zentraler und weitreichender Bedeutung für die Zukunft der Menschheit ist. Es berührt nicht nur Umweltfragen sondern hat wegen seiner Verflechtungen mit internationaler Gerechtigkeit und Frieden auch ethisches und moralisches Gewicht. Es ist also sehr wichtig, dass sich Religionen mit diesem Thema befassen und versuchen gemeinsam Einfluss zu nehmen um die fortschreitende Zerstörung unserer Umwelt zu verhindern.

Wie schwierig es ist eingefahrene Strukturen zu verändern, erlebten wir selbst, wenn wir nach getanem Programmpunkt zum Bus zurückkamen und den dahinter befindlichen Müllhaufen eindeutig als unseren eigenen Reisemüll (Kekspäckchen, Wasserflaschen, Bananenschalen…) identifizieren konnten. Der Busassistent hatte den einfachsten Weg gewählt. Aber wo soll er auch hin damit, wenn es keine geregelte Müllentsorgung gibt. In Deutschland entsteht sicher mehr Wohlstandsmüll pro Kopf als in Indien, aber wir lassen ihn schnell und effizient verschwinden – aus den Augen, aus dem Sinn. In Indien sticht er uns ins Auge und stinkt zum Himmel, wenn er auf offener Straße verbrannt wird. Und der Stachel geht noch tiefer: verschmutzte Flüsse, Großstadtlärm und Smog, sorgloser Umgang mit Altöl, Handymasten überall. In Tamil Nadu gibt es täglich mehrere Stunden keinen Strom. Ein Kernkraftwerk soll’s richten.

Ca. 1/6 der Menschheit lebt in Indien. Mit fortschreitender Entwicklung und Verstädterung des Landes gewinnt der Umgang mit der Natur große Bedeutung. Es gibt eine wachsende Mittelschicht, die das gleiche Recht zum Ressourcenverbrauch für sich beansprucht wie wir Europäer. Wo wird die Reise hingehen? Und was sagen die Religionen dazu? Können sie sich auf einen gemeinsamen Standpunkt und eine gemeinsame Zielrichtung einigen?

Eine Veranstaltung in New Delhi zum interreligiösen Dialog, an der herausragende Vertreter indischer Religionsgemeinschaften teilnahmen, lieferte Antworten auf diese Fragen. Es war nicht überraschend, dass in allen heiligen Schriften Aussagen zur Schöpfung enthalten sind und zum bewussten Umgang mit der Umwelt auffordern. Neu war für uns jedoch wie die Weltreligionen ihren eigenen Weg im Umgang mit der Schöpfung und der Umwelt kultiviert. Viele anschauliche Beispiele wurden genannt: Im Judentum gibt es neben Erntedank-Feiern (Succoth) auch die ausdrückliche Verpflichtung zum Pflanzen von Bäumen zu Neujahr (Tu-Bishevat). Im Islam gilt die ganze Natur als wohl gefügt von Gott. Störungen dieses Gefüges durch den Menschen (z. B. Erderwärmung) werden als unverzeihliche Korruption der Schöpfung angesehen. Für Hindus fängt die Verschmutzung der Umwelt im Kopf als Verunreinigung des Geistes, z. B. durch Begehrlichkeit, Maßlosigkeit und Habgier an. Jeder Mensch muss also bei sich selbst mit der Reinigung anfangen. Ähnlich sehen es auch die Jain, die in Sachen Bewahrung der Schöpfung bei der Selbstbetrachtung und Verbesserung der eigenen Spiritualität ansetzen, da Gott in uns wohnt und eins ist mit der Erde und der Menschheit. Die Vertreterin der Sikh ergänzt noch den Aspekt der Erziehung/Ausbildung zur Bewusstwerdung für die Einheit von Mensch und Schöpfung. Aus buddhistischer Sicht gibt es zwischen der inneren und äußeren Welt letztlich keine Trennung, alles ist miteinander verbunden, so dass das Gebot für den Menschen im Miteinander mit den Mitgeschöpfen besteht. Der Baha’i – Vertreter führt konkrete Beispiele in der Lebensführung an, wie z. B. das Konsumverhalten, um zu einer ökologisch und moralisch vertretbareren Welt zu kommen. Die christlichen Vertreter – eine Ordensschwester und Universitätsdozentin sowie der Provinzial der Indischen Franziskaner – leiten aus der Bibel, dem Buch Genesis, das Mandat des Menschen als Ebenbild Gottes her, der für die Schöpfung zu sorgen und sie zu bewahren hat.

Trotz dieser vielfältigen Ausprägungen waren sich alle im Plenum über eines völlig einig: Die derzeitigen Umweltprobleme sind unerträglich und müssen - auch im Interesse künftiger Generationen - dringend angegangen werden. Ein einfacher, auskömmlicher und nachhaltiger Lebensstil ohne überflüssigen Konsum und ohne Anhäufung von Gütern und Geld könnte die Probleme lösen! Die Aufgabe der Religionen wurde durchgehend in einer Vertiefung der Spiritualität und einer Bewusstmachung für die Umweltprobleme gesehen und nicht zuletzt darin, als gläubige Menschen mit gutem Beispiel für ein verantwortungsvolles Leben voran zu gehen.

Veranstalter: Missionszentrale der Franziskaner GmbH 
  Flyer Indienreise 2018 mit Anmeldeformular und Reiseplan

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