„Was ist geworden aus der Theologie der Befreiung?“
Anmerkungen zur Veranstaltung am 14. Oktober im „Forum der Völker"
Norbert Arntz,
Pfarrer, Mitarbeiter in der Missionszentrale der Franziskaner, Bad Godesberg
„Was ist geworden aus der Theologie der Befreiung?“
Anmerkungen zur Veranstaltung am 14. Oktober im „Forum der Völker"

Die Befreiungstheologie sei bereits tot; bei der Bischofsversammlung in Aparecida würde ihr nur noch der Totenschein ausgestellt. So hatten einige (wie der Erzbischof von São Paulo Kardinal Odilo Scherer) vor der letzten Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe im brasilianischen Aparecida über die Medien verbreitet. Durch die vorangegangene kirchenpolitisch bestimmte Verurteilung der christologischen Werke von Jon Sobrino fühlten sich diese Kreise bestärkt. Was sich jedoch in Tat und Wahrheit in Aparecida abspielte, war das genaue Gegenteil: Die Befreiungstheologie wurde zum Dauerthema auf den Pressekonferenzen. Kardinal Oscar Rodriguez von Honduras bestätigte, dass es nicht nur vorbereitende Gespräche für die Konferenz mit Befreiungstheologen, u.a. mit Gustavo Gutierrez, gegeben habe, sondern dass eine Gruppe von Befreiungstheologinnen und – theologen („Amerindia“ genannt) die Konferenz aktiv begleite und den Mitgliedern der Konferenz ihre Beratung anbiete. Man könne also keinesfalls behaupten, dass Konferenz und Befreiungstheologen in Opposition zueinander stünden. Man müsse vielmehr feststellen, dass sie sich in einem fruchtbaren Dialog miteinander befinden.
Das „Zelt der Märtyrer“ – in unmittelbarer Nähe des Konferenzortes von Mitgliedern der Sozialpastoral und Basisgemeinden aus dem ganzen Kontinent mitgetragen – wird zum Ort basisgemeindlicher Erfahrung – auch für interessierte Teilnehmer der Konferenz: Jeden Tag behandelt man dort Themen wie Arbeitslosigkeit, Gewalt und gesellschaftlichen Ausschluss, liest und deutet gemeinsam die Bibel und feiert Abend für Abend Eucharistie.
Im Schlussdokument von Aparecida – selbstverständlich ein Spiegelbild der widersprüchlichen Tendenzen in der Versammlung – findet sich die Methode „Sehen – Urteilen – Handeln“ wieder, werden die Themen: Option für die Armen und Ausgeschlossenen, strukturelle Sünde, Utopie vom Reich Gottes und Basisgemeinden als lebendige Kernzellen der Kirche behandelt – allesamt Themen, welche die Befreiungstheologie auf die Tagesordnung der Kirche gebracht hatte. Kurzum: Aparecida – als Dokument und Ereignis – bestätigt, dass die Lateinamerikanische Kirche über Santo Domingo hinweg an die Tradition von Medellín (1968) und Puebla (1979) wieder angeknüpft und ihr eigenes Haupt erhoben hat. Totgesagte leben eben länger. Davon wird an diesem Gesprächsabend die Rede sein.

„Die Basisgemeinden – Hoffnung für eine sich erneuernde Welt“
„Die Basisgemeinden – Hoffnung für eine sich erneuernde Welt“
Mit dieser Überzeugung waren Vertreterinnen und Vertreter von Basisgemeinden aus dem ganzen lateinamerikanischen Kontinent und aus der Karibik nach Santa Cruz de la Sierra in Bolivien gekommen. Dort versammelten sich die 170 Frauen und Männer vom 1. bis 5. Juli 2008 zum VIII. Gesamtkontinentalen Treffen, um sich in Gesprächsgruppen und Plenarien, Liturgie, Gebet und Fest über ihre Erfahrung vom Leben und Wirken der Basisgemeinden auszutauschen. Überraschend klar wurde schnell erkennbar, wie sehr alle beflügelt vom Ereignis „Aparecida“ (der letzten Generalversammlung der Bischöfe aus Lateinamerika und der Karibik 2007) und den neuen gesellschaftlichen Prozessen in verschiedenen Ländern (u.a. Wahl des ehemaligen Bischofs und Basisgemeinde-Mitglieds Fernando Lugo zum Präsidenten von Paraguay) von einer widerständigen und kreativen Hoffung lebten. Weder die Gewalttätigkeit der neoliberalen Globalisierung mit ihren menschenmörderischen und naturzerstörenden Wirkungen noch der Rückfall der Gesamtkirche in die von Rom beherrschte Zentralisierung mit den spürbaren Auswirkungen in vielen lateinamerikanischen Bistümern vermögen sie zu verwirren. Im Gegenteil: Die Vertreterinnen und Vertreter der Basisgemeinden waren sich einig in dem entschiedenen Willen, an einer neuen gesellschaftlich-politisch-ökologischen Ordnung mitzuwirken, indem sie die Solidarwirtschaft fördern und durch Vernetzung politisch aktiv auf die gesellschaftlichen Prozesse Einfluss nehmen. Als Basisgemeinden werden sie auch die notwendige „pastorale Umkehr“ der Kirche und ihre „Erneuerung“ (Dokument Aparecida Nr. 366-367) entschieden betreiben. Als europäischer Gast zu diesem Treffen geladen habe ich mir gewünscht, der Geist dieser Entschiedenheit in politischer und kirchlicher Hinsicht möge auch die Christinnen und Christen in Europa erfassen. Sie sollten dem „verbrecherischen“ Einwanderungsgesetz der Europäischen Union widersprechen und der schleichenden Aufkündigung des II. Vatikanischen Konzils in der Kirche öffentlichen Widerstand entgegen setzen.
Norbert Arntz

Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen
Interkulturell-religiöser Dialog
Die Missionszentrale der Franziskaner (MZF), in Kooperation mit dem franziskanischen Bildungswerk(FBW), lädt zu einer Begegnungsreise nach Südindien mit dem Thema “Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen“ ein.
Der Subkontinent Indien fasziniert immer wieder: eine Vielfalt von Kulturen, Landschaften, Geschichte, Menschen und Religionen. Beeindruckend ist Indien mit seinen vielen unterschiedlichen Menschen und ihrer Lebensweise. Ein Land voller Gegensätze.
Die Reise wird unsere eigenen Lebenserfahrungen in der Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen bereichern. Sie kann dazu dienen, die eigenen religiösen Vorstellungen und Glaubenserfahrungen zu überprüfen.
Wie leben die Menschen dort Ihren Glauben in der Vielfalt der Religionen und Kulturen?
Wie wird franziskanischen Geist dort gelebt?
Für die Teilnehmer werden sich sicher neue Perspektiven eröffnen!
Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen

3. Europäische Ökumenische Versammlung
Vom 4. bis 9. September 2007 findet in Hermannstadt/Rumänien die 3. Europäische Ökumenische Versammlung statt. Auf Initiative der Missionszentrale der Franziskaner wird es ein Franziskanisches Zentrum in der ehemaligen Franziskanerkirche geben.
Die Franziskanerprovinz Siebenbürgen und die Franziskanische Familie Rumäniens laden ein zu Gebet, Bibelarbeit, Gespräch und Gottesdiensten.
Das aktuelle Tagesprogramm des Franziskanischen Zentrums finden Sie jeweils in der Franziskanerkirche, in der Ursulinenkirche und der Katholischen Stadtpfarrkirche in Sibiu.

Franziskanische Fachtagung
Zum dritten Mal wird vom 9. bis 11. November 2007 eine Franziskanische Fachtagung stattfinden. Unter dem Titel: Ästhetischer Akt als missionarisches Handeln in der Jugendpastoral werden Prof. Dr. Michael Eberts, Religionssoziologe an der KFH Freiburg, Prof. Dr. Magnus Striet, Fundamentaltheologe an der UNI Freiburg, und Prof. Dr. Udo Schmälzle OFM, Pastoraltheologe an der UNI Münster, am Beispiel des MusikTanzTheaters clara.francesco Möglichkeiten und Grenzen eventorientierter moderner Jugendpastoral diskutieren.
Detaillierte Informationen.
Besuch in der Missionszentrale der Franziskaner
Regelmäßig besuchen Seminargruppen von verschiedenen Hochschulstudiengängen die Missionszentrale der Franziskaner. Fachleute aus den Bereichen Entwicklungspolitische Projektarbeit, Spendenwerbung, Missionstheologie, Entwicklungspädagogik und Internationales Lernen stehen für ein Gespräch zur Verfügung.
Unser Veranstaltungskalender
In unserem Veranstaltungskalender finden Sie die Veranstaltungen der Bildungs- und Bewusstseinsarbeit geordnet nach Terminen und Regionen.