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Einflussnahme

Ihr Mächtigen, ich will (nicht) singen Eurem tauben Ohr ... .

Das Berliner Büro der Missionszentrale der Franziskaner mischt sich in Politik ein

von Thomas Martin Schimmel

 

Manchmal treffen im Franziskanischen Zentrum Kloster Pankow Kulturen aufeinander. Zum Beispiel dann, wenn eine dunkle Karosse des Deutschen Bundestages an den Gästen der Suppenküche vorbei auf das Gelände des Klosters Pankow rollt, um einmal mehr einen Abgeordneten zu Gespräch und Besichtigung abzusetzen: Parlamentspräsidenten, stellvertretende Fraktionsvorsitzende aber auch die ganz normalen Abgeordneten geben sich auf Einladung der Missionszentrale ein Stelldichein auf einem Gelände, das in besonderer Weise Ausdruck franziskanischer Solidaritätsarbeit ist. Solche Besuche gehören zum Kern der Arbeit eines unscheinbaren Büros im Ostflügel des Franziskanerklosters: Hier hat die Missionszentrale der Franziskaner ihr Berliner Büro - ihre Vertretung am Sitz von Parlament und Regierung. Hier trifft sie mit politisch Handelnden zusammen, um mit ihnen über den Einsatz für die Armen und Rechtlosen vor Ort und weltweit zu sprechen.

 

Hilfswerk und entwicklungspolitische Organisation

 

Die Missionszentrale der Franziskaner mit Hauptsitz in Bonn ist das Hilfswerk und die entwicklungspolitische Organisation der Mitteleuropäischen OFM -Franziskanerprovinzen. Ähnlich wie Misereor, Brot für die Welt oder die Welthungerhilfe unterstützt sie Entwicklungsprojekte in über 65 Ländern der Welt, insbesondere in Lateinamerika, Afrika, Asien und Südosteuropa. Dabei legt sie besondere Maßstäbe an. Ganz im Geiste des Heiligen Franz von Assisi müssen diese Projekte von den Betroffenen selbst formuliert und getragen werden. Sie müssen sozial, ökologisch und nachhaltig ausgerichtet sein und die Möglichkeit zur Selbsthilfe stärken. Um dies zu gewährleisten, müssen die Projekte vor Ort von sachverständigen Franziskanerinnen oder Franziskanern geprüft und für gut befunden werden. So können die zahlreichen Spenderinnen und Spendern, die die Arbeit der Missionszentrale mit über 13 Millionen Euro jährlich unterstützen, sicher sein, dass ihr Geld dort ankommt, wo es hingehört: bei den Armen und Ausgegrenzten dieser Welt. Durch den Einsatz der vielen Franziskanerinnen und Franziskaner hält sich der Verwaltungsaufwand der Missionszentrale übrigens in Grenzen.

 

In vielen Bereichen ist die Missionszentrale durch ihre Entwicklungsprojekte aktiv: so etwa bei der AIDS-Aufklärung in Kenia, bei Straßenkinderprojekten in Uruguay, bei Berufsbildungsmaßnahmen für Frauen in Brasilien oder bei Projekten zum Dialog zwischen Muslimen und Christen auf den Philippinen.

 

Doch nicht nur die Projektarbeit wird mit den Spendengeldern getragen: Großen Wert legt die Missionszentrale auf ihre Arbeit im Bereich der Durchsetzung von Menscherechten weltweit: so werden beispielsweise Initiativen unterstützt, die sich um Aufklärung von Schicksalen der während der Militärdiktaturen in Lateinamerika verschwundenen Menschen kümmern und die die Aufhebung der Straflosigkeit von ehemaligen Junta-Mitgliedern fordern.

 

Neben der konkreten Arbeit vor Ort in den Entwicklungsländern sieht die Missionszentrale eine zentralen Aufgabe in der Bildungsarbeit in Europa. Bewusstseinsarbeit für eine gerechtere und friedlichere Welt heißt hier die Devise, nach der Seminare und internationale Begegnungen organisiert und durchgeführt werden. Dabei wird versucht, die Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Geist der Theologie der Befreiung einzuhauchen und sie zu solidarischem Handeln im interkulturellen Kontext zu befähigen.

 

Politik und Gesellschaft verändern - die Arbeit des Berliner Büros

 

Neben der Projekt-, Menschenrechts- und Bildungsarbeit sieht es die Missionszentrale als notwendig an, Einfluss auf Politik und Gesellschaft zu nehmen. Schon mit der Gründung der Regionalstelle Berlin im Jahr 1991 setzte sie Zeichen: Gemeinsam mit dem Franziskanischen Bildungswerk wollte man das Bewusstsein für die Nord-Südproblematik in den damals Neuen Bundesländern schärfen und mit einer eigenen Arbeitsstelle Themen aus der Theologie der Befreiung voran bringen. Der Theologe Horst Goldstein, Übersetzer befreiungstheologischer Literatur und Buchautor, prägte über Jahre die Arbeit der Regionalstelle. Dass die Missionszentrale sich ausgerechnet in Pankow ansiedelte, wo ein Jahr zuvor die Suppenküche ihre Arbeit aufgenommen hatte, hatte seinen guten Grund: Man wollte deutlich machen, dass die Solidaritätsarbeit für die armen, rechtlosen und ausgegrenzten Menschen in den Entwicklungsländern und die Solidaritätsarbeit für die obdachlosen und am Rand der Gesellschaft stehenden Menschen im reichen Berlin in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

 

Dies gilt bis heute. Auch wenn mit dem Umzug von Parlament und Regierung von Bonn nach Berlin einen neuer Arbeitsschwerpunkt im Bereich der politischen Interessensvertretung entstanden ist.

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