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Einflussnahme

Ihr Mächtigen, ich will (nicht) singen Eurem tauben Ohr ... .

Das Berliner Büro der Missionszentrale der Franziskaner mischt sich in Politik ein

Kritisch beobachten, Stimme ergreifen, richtiges Handeln unterstützen

 

Die kritische Beobachtung der Politik in den Bereichen Außenpolitik, Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Menschenrechte gehört genauso zu den Aufgaben des Berliner Büros wie der Versuch, Einfluss zu nehmen auf die politisch Handelnden. Der Dreiklang aus: konkreter Hilfe, Bewusstseinsbildung und Anwaltschaft für die Armen macht die Idee des franziskanisch-christlichen Weltbildes deutlich: Die vorrangige Option für die Armen bedeutet, den Menschen konkret zu helfen, sich politisch in ihrem Sinne einzumischen und die Veränderung unserer Welt aktiv voranzutreiben.

 

Die Missionszentrale sieht sich dabei als Anwältin der Stimmlosen, als Interessensvertreterin für eine gerechte Weltordnung und als Pressure Group für eine gerechte und gewaltfreie Politik. Sie kritisiert diejenigen Politikerinnen und Politikern offen, die meinen, Entwicklungspolitik sei eine andere Form der innerstaatlichen deutschen Wirtschaftsförderung. Aber sie will auch denjenigen Abgeordneten den Rücken stärken, die sich z.B. für den gleichberechtigten Dialog, den Schuldenerlass und den fairen Handeln mit den Ländern des Südens gegen alle Widerstände einsetzen.

 

Dies tut sie auf unterschiedliche Weise: in Gesprächen, in Briefen und Presserklärungen und in der Verbreitung von Publikationen, die z.T. im Berliner Büro erstellt und redigiert werden. So wurden beispielsweise der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung und Abgeordnete des Bundestages vor ihren Brasilienreisen im persönlichen Gespräch mit Franziskanern, die lange in Brasilien gelebt und gearbeitet haben, auf ihre Reise vorbereitet. Mit Briefen wurden die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien, Bundesminister und Staatssekretäre auf die Situation der palästinensischen Christen in Bethlehem und die Situation in der besetzten Geburtskirche zu Ostern 2002 hingewiesen. Mit der Verbreitung der eigenen Zeitschrift "Dokumente, Berichte, Kommentare" zum Thema Gewaltfreiheit und der gleichzeitigen Einladung zum Gespräch versuchte die Missionszentrale Stellung gegen den Irak-Krieg zu beziehen und deutlich zu machen, dass andere Wege in der Politik möglich und nötig sind.

 

Als entwicklungspolitische Organisation der Franziskaner ist die Missionszentrale nur eine Stimme im Chor der über 1600 beim Bundestag akkreditierten so genannten Lobby-Organisationen. Dennoch wird ihre Arbeit von der Zuversicht getragen, Politik zu verändern - auch wenn dies, wie alle politischen Prozesse, lange dauert. In Abwandlung des Liedes von C. Heuser und N. Shemer-Sapir sagt die Missionszentrale dennoch: Den tauben Ohren der Mächtigen möchten wir singen, um die Anliegen der Armen und Rechtlosen in dieser Welt in die Tagespolitik einzubringen.

 

Bildungsarbeit und Franziskanisches Freiwilligenprogramm

 

Doch nicht nur den Abgeordneten und Regierungsbeamten sollen die Arbeit und die Anliegen der Franziskaner nahe gebracht werden. Für Pfarrgemeinden, Schulen und Gruppen aller Alters- und Interessensbereiche bietet die Missionszentrale Seminare und Workshops zu den Themen der Franziskanischen Solidaritätsarbeit an. So gibt es entwicklungspolitische Projekttage für Schülerinnen und Schüler oder die monatlichen Gesprächsabende "Falando do Brasil - Lasst uns über Brasilien sprechen".

 

Darüber hinaus ist das Berliner Büro inzwischen zu einer Anlaufstelle für Menschen geworden, die für einige Monate bei Franziskanern in Brasilien, Peru oder Indien mitarbeiten wollen. Interessierte an einem solchen Freiwilligendienst werden hier gut beraten und auf ihren Einsatz vorbereitet

 

Global denken - lokal handeln

 

Wenn die Abgeordneten in den dunklen Fahrzeuge des Bundestages das Gelände in Pankow wieder verlassen, haben die Volksvertreterinnen oder Volksvertreter im Gespräch und in der eigenen Anschauung konkret erfahren, was franziskanische Solidaritätsarbeit bedeutet: die Sorge um die Lieblingskinder Gottes - hier im reichen Berlin und dort in Ländern mit großer Armut. Das Berliner Büro will dazu beitragen, dass dieser Eindruck nicht verblasst und Politik künftig auch aus der Perspektive der Armen, Rechtlosen und an den Rand Gedrängten gemacht wird. Dieses Bohren dicker Bretter wird mit Gottes Hilfe gelingen.

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