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Franziskaner arbeiten für Frieden und Versöhnung in Kolumbien
Nach wie vor ist die Lage in dem Andenstaat im Norden Südamerikas unübersichtlich. Seit über 40 Jahren führen in Kolumbien verschiedene staatliche und nichtstaatliche Gruppen einen Bürgerkrieg, unter dem vor allem die zivile Bevölkerung leidet. Die staatlichen Streitkräfte, zwei linke Guerillaorganisationen (FARC – Fuerza Armadas Revolucionarias de Colombia – und ELN – Ejército de Liberación Nacional) und verschiedene rechte paramilitärische Gruppen (AUC – Autodefensas Unidas de Colombia) kämpfen um Einfluss und Macht und überziehen weite Teile des Landes mit Gewalt und Terror.
Der Krieg wird auf allen Seiten mit Lösegeld aus Entführungen und Erträgen aus internationalem Drogenhandel und krimineller Gewalt finanziert. In keinem Land der Erde werden mehr Menschen entführt oder verschwinden spurlos: Etwa 5.000 Menschen befinden sich laut Angaben der Hans-Seidel-Stiftung in der Gewalt der Guerillas und der Paramilitärs. Nach Angaben von amnesty international fallen jährlich 30.000 Menschen Morden zum Opfer (in Deutschland ca. 400 pro Jahr bei doppelter Bevölkerungszahl). Davon gelten 4.000 Morde als politisch motiviert. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung – 70% davon gehen auf das Konto der staatlichen Streitkräfte Polizei und Militär sowie der paramilitärischen Gruppen.
Seit dem Amtsantritt des konservativen Präsidenten Álvaro Uribe im Jahr 2002 ist die Zahl der Morde und Gewalttaten zwar zurückgegangen. Die Menschenrechtslage in Kolumbien ist allerdings nach wie vor prekär. Mit dem Gesetz 'Gerechtigkeit und Frieden' versucht der 2006 wiedergewählte Präsident, der den paramilitärischen Gruppierungen nahesteht, zwar die Demobilisierung der Paramilitärs voranzutreiben, allerdings mit mäßigem Erfolg: Immer noch kommt es zu Übergriffen und Menschenrechtsverletzungen der AUC. Auch Verhandlungen mit den linksgerichteten Guerillagruppen FARC und ELN verlaufen im Sande. So ist es kein Wunder, dass die Menschen nach wie vor aus den Konfliktgebieten in andere Regionen Kolumbiens oder in die Elendsviertel der großen Städte flüchten oder systematisch vertrieben werden.
Die Interfranziskanische Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (CIJPRC) hat es sich als Menschenrechtsorganisation der franziskanischen Familie in Kolumbien u.a. zur Aufgabe gemacht, sich besonders um die Menschen zu kümmern, die vertrieben wurden oder von Vertreibung bedroht sind.
In einem Tal östlich der Großstadt Medellin hat die Kommission in zwei Dörfern Fraternitäten mit Franziskanerinnen, Franziskanern und Angehörigen des Dritten Ordens, der Laienorganisation des Franziskanerordens, gegründet. Ein großer Stromkonzern will in dem Tal eine Talsperre bauen, um das Wasser für die Stromproduktion zu nutzen. Seit einigen Jahren werden die Bewohnerinnen und Bewohner der Gegend deshalb systematisch von Militär und paramilitärischen Einheiten vertrieben. Menschen werden willkürlich ermordet und von Uniformierten schikaniert.
Niemand von den Verbliebenen hat nicht Kinder, Brüder oder Verwandte unter den Toten zu beklagen: So erzählte mir bei meinem Besuch in dem Tal eine Frau, wie an einem Nachmittag Soldaten ihr Haus stürmten und ihren Bruder unter dem Vorwand festnahmen, er sei Guerillero. Tage später präsentieren die Soldaten den toten Bauern in Guerillauniform.
Andere berichten, dass vor zwei Jahren zwei Mädchen auf dem Weg zur Schule erschossen wurden. Bis heute ist nicht geklärt, wer die Täter sind. Die Bauern erzählen, wie sie regelmäßig von Uniformierten auf dem Weg in die Zuckerrohrplantagen zusammengeschlagen und an ihrer Arbeit gehindert werden. Mal tauchen die Soldaten in Militäruniform auf – mal in den Uniformen der Paramilitärs.
Auch ökonomisch ist das Tal faktisch abgeschnitten: Die Bauern werden daran gehindert, ihre Produkte auf den Märkten der nahe gelegenen Kleinstädte zu verkaufen. Inzwischen ist das Tal gespenstisch leer: Ein Großteil der Bevölkerung ist nach Medellin geflüchtet. Die Dörfer sind leer und verfallen. Infrastruktur gibt es so gibt wie keine mehr.
Seit die Franziskanerinnen und Franziskaner in den zwei Dörfern mitleben, hat sich die Situation dort entspannt. Die Übergriffe uniformierter Gruppen sind zurückgegangen. Gemeinsam mit einer Gruppe engagierter Rechtsanwälte aus Medellin informieren die Franziskaner die verbliebenen Menschen in regelmäßigen Versammlungen über ihre Rechte und ihre Möglichkeiten, sich zu wehren.
Die Treffen dienen auch zur Vertrauensbildung, denn Jahre der Gewalt haben zu einer Entfremdung geführt. Gemeinsam mit den Menschen gründeten Franziskaner in den beiden Dörfern 'Tiendas Comunitarias', kleine, gemeinschaftliche Dorfläden, in denen man wieder Reis, Zigaretten etc. kaufen kann, also Dinge, die in den Dörfern selbst nicht produziert werden. Die Tiendas entwickeln sich zu Treffpunkten und tragen zu einer Wiederbelebung des dörflichen Lebens bei. Die Menschen fassen wieder Mut. Einige Vertriebene sind inzwischen in ihre Häuser zurückgekehrt.









