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Einflussnahme

Schützen und unterstützen

Die Arbeit der Franziskaner in Kolumbien


Die Kleinstadt Santa Maria am Rande des Tals wird jedoch auf Dauer leer bleiben. In dem Ort, in dem ehemals ca. 500 Menschen zu Hause waren, leben nur der Pfarrer und sein Kaplan sowie eine Einheit Soldaten, die nach Aussagen des Kommandanten zum Schutz der Bevölkerung dort stationiert ist.

 

Die Menschen sind bei Kämpfen zwischen Guerilleros und Militär vertrieben worden. Sie gelten als Anhänger der FARC und können darum nicht zurückkehren, solange die Soldaten die Stadt besetzt halten. Die FARC wiederum hat die Wohnhäuser vermint, damit die Armee sich nicht häuslich niederlassen kann.

 

Mit der Anwesenheit des Pfarrers will der Bischof deutlich machen, dass man den Ort nicht aufgegeben hat. Die Interfranziskanische Kommission lädt regelmäßig internationale Beobachter ein, die Gegend und Santa Maria zu besuchen. Dabei werden auch Gespräche mit den Kommandanten und dem Bürgermeister der Kreisstadt verabredetet: Mit bewundernswertem Mut sprechen die kolumbianischen Schwestern und Brüder die Probleme in der Region an. Ziel der Gespräche ist es nicht, Informationen zu bekommen, sondern deutlich zu machen, dass die Gegend unter Beobachtung steht.

 

Doch nicht nur in den Regionen, in denen vertrieben wird, sind die Franziskaner aktiv. In der Kommune 13, einem Armenviertel am Rande Medellins, leben die Franziskanerinnen und Franziskanerinnen in einer weiteren Fraternität ebenfalls mitten zwischen den Menschen und unterstützen und schützen sie durch ihre Anwesenheit. Hier in der Kommune 13 kommen diejenigen an, die aus ihren Dörfern vertrieben wurden. Auch hier helfen die Franziskaner gemeinsam mit den Rechtsanwälten, die Menschen über ihre Rechte und ihre Handlungsmöglichkeiten aufzuklären. Auch hier hat die Anwesenheit der Fraternität zu einem Rückgang der Gewalt und einem Zusammenhalt der Bevölkerung geführt.

 

In der Ciudad Bolívar, einem der vielen Elendsviertel am Rande der kolumbianischen Hauptstadt Bogotás, unterstützen die Franziskaner und Franziskanerinnen Menschen und ihre Familien, die in den ihren Ursprungsdörfern soziale Verantwortung übernommen hatten und Leiter von Gewerkschaftsgruppen, Genossenschaften oder Frauenrechtsorganisationen waren. Durch die Vertreibung in die Großstadt wurden diese Familien sozial isoliert.

 

Die Sorge um den täglichen Lebensunterhalt, die schwierige Sicherheitslage (viele der Vertriebenen werden auch nach ihrer Flucht bedroht) und das Leben ohne persönliches und großfamiliäres Umfeld hat diese Menschen zur politischen Untätigkeit verurteilt. Mit Stipendien, Beratungen und Unterstützung versucht die Kommission, diese Menschen wieder zu einem sozialen und politischen Engagement zu ermutigen und ihre Fähigkeiten und ihre Erfahrung zu nutzen, damit die Menschen in den Elendvierteln sich selbst organisieren und sich gegen Willkür von paramilitärischen Einheiten zu wehren, die einen Teil der Viertel kontrollieren.

 

Mit dem Gesetz 'Gerechtigkeit und Frieden' sollen die Gewalt und der Terror in Kolumbien gestoppt werden. Doch den Tätern, die Menschenrechtsverletzungen begangen haben, wird durch das Gesetz weitgehende Straffreiheit versprochen. Was mit kriminell erworbenem illegalem Besitz geschehen soll, ist nicht geklärt. Viele Gruppen in Kolumbien, unter ihnen auch die Interfranziskanische Kommission und der UN-Hochkommissar für Menschenrechte in Bogotá, kritisieren das Gesetz und seine Umsetzung als nicht ausreichend. Dauerhafter Frieden kann nicht geschaffen werden, wenn Willkür und Terror straffrei bleiben.

 

Das Büro der Interfranziskanischen Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung Kolumbiens lag bis zu seinem Umzug im Frühjahr dieses Jahres in unmittelbarer Nachbarschaft eines Wohnheimes für demobilisierte Mitglieder der Paramilitärs. Immer wieder wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommission und die Besucher des Büros von den ehemaligen Paramilitärs, zumeist arbeitslose junger Männer, belästigt. Auch in den neuen Räumlichkeiten sind die Franziskaner durch ihre Menschenrechtsarbeit im Visier der Paramilitärs und des Staates. Aber sie lassen sich nicht abbringen, weiter für Frieden und Gerechtigkeit in Kolumbien zu kämpfen und den Menschen zu helfen.

 

Thomas M. Schimmel

ist Leiter des Berliner Büros der Missionszentrale der Franziskaner

 

 

weitergehende - Informationen im Internet:

www.mzf.org/publik/gh_zip/gh95.pdf - Informationen über Kolumbien, zusammengestellt von der Missionszentrale der Franziskaner (2004)

www.jypinterfranciscana.org/ - Seite der Interfranziskanischen Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und bewahrung der Schöpfung in Kolumbien

www.kolko.de – Menschenrechtskoordination Kolumbien in Deutschland mit aktuellen Dokumenten

www.amnestyinernational.de – unter Dokumente – Länder: ausführlicher Länderbericht zu Kolumbien

www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laender/Kolumbien.html Informationen zur Landeskunde

www.franciscanos.org.co/ - Seite der kolumbianischen Franziskaner

 

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