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Gebetsanliegen übermitteln

Disput - Die Armen in der Theologie?

Die Theologie der Befreiung habe die Armen an die Stelle Christi gesetzt und den Glauben 'für' die Befreiung instrumentalisiert. Mit diesem Vorwurf formulierte im vergangenen Jahr der Befreiungstheologe Clodovis Boff eine fundamentale Kritik an der Berfreiungstheologie von 'innen' her und löste eine heftige Debatte aus. Seine Kritik wiegt in gewisser Weise schwerer als die von 'außen' kommende Kritik des Vatikans.

 

Wieder einmal geht der Streit um die Frage: Wie müssen wir Theologie treiben, damit wir in einer Welt von Ungerechtfertigkeit, von Ausschließung, von vorzeitigem Tod den Gott des Lebens glaubwürdig verkündigen können? Schließlich hat man doch lange und immer wieder über Jesus Christus diskutiert, ohne ausreichend Jesu Verbindung zu den Armen berücksichtigt zu haben. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Formel 'Option für die Armen' das Thema in der Kirche an theologischer und kirchenpolitischer Brisanz gewinnt.

 

Hinter dem von Clodovis Boff ausgelösten Disput verbirgt sich also eine sehr grundlegend, einerseits aktuelle und doch zugleich weit in die Vergangenheit zurückreichende Auseinandersetzung. Auch die Zukunft der katholischen Kirche wird davon in erheblichem Maße beeinflusst sein. Folglich ist das Theologietreiben in Europa davon ebenfalls tangiert.

 

Solche Überlegungen, die zugleich den 'roten Faden' dieses Heftes beschreiben, haben uns veranlasst, die ausgelöste theologische Debatte exemplarisch zu dokumentieren. Wir freuen uns darüber, dass wir das Heft in Kooperation mit dem Institut für Theologie und Politik in Münster veröffentlichen können. Weitere Artikel zum theologischen Streit sind auf der Internet-Seite des Instituts: www.itpol.de zu finden.

 

Grüne Reihe 105: Disput - Die Armen in der Theologie?

Unverfälscht

Das Dokument von Aparecida zeigt Wirkung in der Kirche Lateinamerikas und der Karibik. Basisgemeinden und gesellschaftliche Bewegungen arbeiten damit. Um auch im deutschsprachigen Raum verständlich zu machen, was sich an diesem umfangreichen und in manchen Textpassagen zwiespältigen Dokument als so wirksam erweist, stellen wir in diesem Heft die wichtigsten Textpassagen unter dem Thema `Solidarität und Gerechtigkeit in der globalisierten Welt' zusammen, und zwar in der von der Generalversammlung der Bischöfe aus Lateinamerika und der Karibik am 31. Mai 2007 beschlossenen Fassung.

 

Damit unterlaufen wir die Manipulationen, die eine 'unsichtbare Hand' an dem von den Bischöfen selbst verabschiedeten Text vorgenommen hat. Um alle Interessierten die Möglichkeit zu bieten, die Aussagen der ursprünglichen mit der später von Rom approbierten Fassung zu vergleichen, haben wir die Absatz-Nummern des von Rom (veränderten) approbierten und vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Dokuments jeweils nicht vermerkt. In dieser Darstellung folgen wir einem Vorschlag des chilenischen Theologen Ronaldo Munoz, der als Mitglied der Theologinnen-Gruppe 'Amerindia' und als Berater  die Generalversammlung von Aprarecida begleitet hat.

 

Wir wollen mit dieser Textsammlung eine lesbare Kurzfassung des Dokuments von Aprarecida anbieten. Indem wir die - wesentlich befreiungstheologisch orientierten - Textpassagen thematisch auch im Zusammenhang präsentieren, lassen sich die prophetischen Aussagen des Dokuments besser erfassen.

 

Die hier vorgelegtenTextpassagen des lehramtlichen Dokuments beweisen, wie lebendig das (unzensierte) Denken in der lateinamerikanischen Kirche geblieben ist - trotz aller Vorsicht und Rücksichtnahme auf vatikanische Einwirkungen. Das darin erkennbare neue (zugleich urchristliche) Verständnis von der Mission der Kirche enthält politisch-kulturelle und theologische Impulse auch für die engagierten Christinnen und Christen im deutschsprachigen Raum. Mit diesem Heft zeigen wir zugleich, dass wir den von Aparecida gewiesenen Pfad und dessen Realisierung in Lateinamerika in Solidarität weiterverfolgen werden.

 

Grüne Reihe 104: Unverfälscht 

Störenfried

Der Hungerstreik des brasilianischen Franziskanerbischofs Luiz Flavio Cappio zusammen mit mit den Sozialbewegungen Brasiliens zeigt eine beachtliche Wirkung. Im Februar 2008 debattiert der Senat im Kongress einen ganzen Tag lang erstmals mit Cappio, mit Ministern und Wissenschaftlern. Man streitet über Konsequenzen des gigantischen Flussumleitungsprojekts am Rio Sao Francisco, das 2007 von der Armee in Angriff genommen worden war. Vor Weihnachten 2007 hatte Bischof Cappio durch diesen 24-tägigen prophetischen Gestus gegen das umstrittene Projekt weltweit Aufsehen erregt.

 

Das Vorbild für Bischof Cappio: Franz von Assisi, der sich Anfang des 13. Jahrhunderts mit den Opfern der entstehenden Industrie solidarisierte. Fran-ziskus entledigte sich auf dem Platz von Assisi seiner Kleider. Die Technik, mit der sein Vater diese Tücher produzieren ließ, brachte Kunsthandwerker um ihre Arbeit und ihr Einkommen und verdammte sie damit ins Elend.

 

Wir publizieren dieses Heft mit Briefen und Texten von Bischof Cappio, mit Deutungen von Weggefährten und Theologen. Das tun wir, um sein prophetisches Engagement zu stützen, aber auch um Opfer der Verhältnisse willen, denen dieser prophetische Gestus gilt, und in der franziska-nischen Tradition, die heute wieder Menschen zu mobilisieren vermag.

 

 Grüne Reihe 103: Störenfried

Neues Pfingsten oder alte Gleise?

Grüne Reihe 102: Neues Pfingsten oder alte Gleise? 

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